Prof. Weidinger bei der Arbeit

 

 

Johann Weidinger wurde am 11.10.1919 in Hödnitz im Sudetenland geboren. Nach dem frühen Tod seiner Mutter kam er kaum halbjährig zur Familie seiner Tante nach Wien, Währing. Die Volks- und Hauptschule besuchte er in der Cottagegasse und anschliessend die dreijährige Fachschule für Ledergalanteristen wo er zum Feintäschner ausgebildet wurde und 1936 die Gesellenprüfung ablegte. 

1941 Heirat mit Notburga Weidinger geborene Harnisch. 1942/43 Geburt der Töchter Notburga und Edeltraud.

 

Als Soldat einer Pioniereinheit kämpfte er von 1938 bis 1945 an fast allen europäischen Fronten.

1942 wird er bei der Schlacht um Stalingrad schwer verwundet und mit dem letzten Flieger aus dem Kessel ausgeflogen. 1945 beim Rückzug in Ungarn gerät er in russische Kriegsgefangenschaft und wird nach Sibirien deportiert.

1948 Rückkehr in die Heimat.

 

1951 Geburt von Sohn Hubert Weidinger (der später einer der berühmtesten Tier und Jagdmaler seiner Zeit werden wird).

 

Neben einigen Anstellungen in der Privatwirtschaft, übernahm er von 1953 bis 1957 in der Genossenschaftsjagd Pernitz-Feichtenbach,Nö die Jagdaufsicht.

1958 Geburt der Tochter Gabriela

 

 

Johann Weidinger wird selbständiger freischaffender Künstler und erhielt vom Bundespräsidenten den Arbeitstitel „Lederbildhauer“ verliehen.

 

In einer relativ langen Entwicklungs- und Experimentierzeit endeckte er zum Teil schon längst verloren gegangene Techniken der Lederbearbeitung wieder und ergänzte diese Methoden immer wieder mit eigenen Entwicklungen. Im Laufe der Jahre verbesserte und verfeinerte er die alten Arbeitsweisen und erzielte dadurch ganz eigene und neue Effekte. Durch eine besondere Technik machte er das verwendete Leder wesentlich geschmeidiger und dadurch besser formbar.

 

In jahrelangen Versuchen entwickelte der geniale Künstler und Meister seines Handwerkes eine eigene Masse zum Hinterfüllen der vorgetriebenen Formen.

 

Er arbeitete die feinsten Einzelheiten seiner Werke mit heißen Werkzeugen aus dem Material heraus und nützte zur Erreichung einer besonderen plastischen Wirkung, die Spaltbarkeit des Leders. In seiner kleinen Werkstatt mischte er sich spezielle Lederfarben, die dem durch die Wärmebehandlung des Leders erzielten Kolorit einen besonderen Reiz verliehen. Seine Werkstätte war gleichsam sein Heiligtum das Besuchern nicht aufgetan wurde.

 

Ähnlich den Künstlern im Mittelalter behielt er seine Behandlungs und Härtungsmittel geheim. Diese längst vergessene Techniken der Ledertreibarbeit, dem Lederschnitt sowie der Brandmalerei machten es ihm möglich seine aussergewöhnlichen Kunstwerke zu schaffen, doch sie forderten auch einen hohen Preis.

Eine der letzten Aufnahmen von Lederbildhauer Prof. Johann Weidinger

 

 

Die bei der Bearbeitung des Leders entstehenden giftigen Dämpfe sowie die Säuren der von Ihm verwendeten  Lederfarben, zerstörten seine Gesundheit und führten zu längerer Krankheit und seinem frühen Tod!

Prof. Johann Weidinger mit dem Bundespräsidenten Dr. Rudolf Kirchschläger und dessen Gattin

Johann Weidinger war damals in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts der einzige Lederbildhauer Österreichs und zählte damit sicher zu den europäischen Raritäten. Sein Schaffen erstreckte sich von kunstvoll bearbeiteten Zweck- und Kunstgegenständen für Jagd und Fischerei, sowie sakrale Stücke, wobei die einzelnen Werke jedesmal in ihrer Ausführung und Gestaltung Unikate darstellten.

Es war ihm gelungen in seiner einmaligen Technik, den sonst so prosaischen Werkstoff Leder so zu bearbeiten, daß wahre Kunstwerke daraus entstanden. Mit unendlicher Geduld und Präzision formte er seine Motive und schuf beeindruckende Reliefbilder in Leder. Aber ihre größte Ausstrahlung erreicht die Kunst Johann Weidingers in der Gestaltung sakraler Motive, sein Hubertusaltar sowie der Christus sind Höhepunkte seines Schaffens!

 

 

Die Jägerschaft Österreichs schätzte die ledernen Kunstwerke des ebenso leidenschaftlichen Jägers sowie Künstlers und bald war der Name Weidinger untrennbar mit Jagd und Kunst verbunden.

 

 

 

 

Kein Bildhauer im Sinne von „Hauer“ sondern ein Schöpfer von Bildern, plastischen Reliefskulpturen die zur Gänze aus Leder bestehen.

Weidingers „ledernen Unikate“ wurden zu beliebten Gastgeschenken der Österreichischen Regierung und bedeutende Persönlichkeiten einschliesslich gekrönter Häupter erhielten bei Staatsbesuchen oder hohen Anlässen Ledertreibarbeiten von Lederbildhauer Johann Weidinger.

 

Darunter:

  • Königin Elizabeth II
  • Abd al Aziz ibn Saud
  • Prinz Bernhard der Niederlande
  • der Schah von Persien Mohammad Reza Pahlavi
  • die Päpste Johannes XXIII und Paul VI
  • Präsident John F. Kennedy
  • Präsident Markarius von Zypern
  • Präsident Ben Bella von Algerien
  • die französischen Staatspräsidenten Georges Pompidou und Francois Mitterrand
  • Aristoteles Onassis
  • der deutsche Bundeskanzler Ludwig Erhard
  • der bayrische Ministerpräsident Franz Josef Strauss
  • die Bundeskanzler von Österreich Leopold Fiegl, Julius Raab, Alfons Gorbach und  Josef Klaus
  • die österreichischen Bundespräsidenten Adolf Schärf, Franz Jonas und Rudolf Kirchschläger
  • der Erzbischof von Wien Franz Kardinal König
  • der Bürgermeister von Wien Bruno Marek
  • und viele Andere

Ehrungen und Auszeichnungen

  • Silbermedaille für jagdliches Kunsthandwerk der internationalen Jagdausstellung in Düsseldorf.
  • Goldmedaille und Ehrenurkunde des CIC beim internationalen Jagdkongress 1959 in Wien
  • Silbermedaille anlässlich der internationalen Jagdausstellung 1960 in Florenz
  • Goldene Ehrenmedaille und Ehrenurkunde für erlesenes Kunsthandwerk anlässlich der Jagdausstellung in der 1 WIG .
  • 1964Goldmedaille für jagdliches Kunsthandwerk bei der Welt Jagdausstellung 1971 in Budapest
  • Ehrennadel in Gold für Verdienste um das Kunsthandwerk  1974 in Wien
  • Goldmedaille für jagdliches Kunsthandwerk und Ehrenpreis der Bulgarischen Jägerschaft anlässlich der Welt Jagdausstellung 1981 in Plowdiw
  • Goldener Ehrenbruch des Niederösterreichischen Landesjagdverbandes

 

Prof. Weidinger mit Ehefrau Notburga bei der Verleihung des Professorentitels

Am 25 November 1980 wird dem Lederbildhauer Johann Weidinger, vom Bundespräsidenten der Berufstitel „Professor“ verliehen

 

AUSZUG AUS DER LAUDATIO

 

"Abschließend darf ich feststellen, Johann Weidingers Leistungen sind nicht nur bedingt von eingehenden technologischen Kenntnissen und Erfahrungen sondern auch von einem besonderen Maß an Kreativität im psychisch-ästhetischen Bereich das von besonderem schöpferischen Vermögen zeugt.


Seine Schöpfungen sind in ihrer Art ja unvergleichlich und unnachahmlich.

Jedes einzelne Exponat von ihm ist ein Museumsstück.

Er hat durch sein langjähriges, allgemein anerkanntes, schöpferisches Wirken das Ansehen österreichischer Kunst weit über die Grenzen des Heimatlandes  in hervorragender Weise gefördert!"

  

Kunstkritiker schrieben einmal über Professor Johann Weidinger:

 

"Johann Weidingers Werke waren in stundenlangen komplizierten Arbeitsgängen aus feinsten Leder hergestellte Unikate.Jagd und Leder gehörten bei ihn zusammen.Als leidenschaftlicher und bekannter Jäger spezialisierte sich der Lederbildhauer vor allem auf jagdliche Motive und so entstanden bis zu seinem frühen Tod 1985 unzählige kunsthandwerkliche Meisterwerke die weltweit ihre Sammler fanden!

 

"Unter seinen Händen wird Leder weich und geschmeidig wie Bienenwachs und anschliessend hart wie Holz. Das so daraus geschaffene Produkt ist ein kunstwerk von beständigem Wert. Den Schöpfer bezeichnet man als Lederbildhauer. Seine Werke sind in ihrer Art ja unvergleichlich und auch unnachahmlich. Er hat durch sein langjähriges, allgemein anerkanntes schöpferisches Wirken das Ansehen der österreichischen Kunst in hervorragender Weise gefördert!

Er war und blieb der einzige Lederbildhauer Europas".