Legende zu der Ledertreibarbeit "ST.HUBERTUS", dem größten Lederbild der Welt. 

Im Jahre 1953 entdeckte der in Wien lebende Künstler und spätere Lederbildhauer Professor Johann Weidinger die zum Teil verloren gegangenen Techniken der Lederbildhauerei wieder und verfeinerte in jahrelangen Versuchen diese jahrhunderte alte Kunst der Ledertreibarbeit, des Lederschnitts und der Lederbrandmalereimalerei!

Doch die bei der speziellen Bearbeitung des Leders entstehenden giftigen Dämpfe führten zu längerer Krankheit und seinem frühen Tod im Jahre 1985.

Eine der letzten Aufnahmen von Lederbildhauer Prof. Johann Weidinger

 

Schon schwer von der Krankheit gezeichnet übergab er seinen Sohn, den Künstler Hubert Weidinger alle seine Aufzeichnungen, Formeln sowie Entwürfe und Skizzen für geplante und zum Teil noch unvollendete Werke, darunter auch die ersten groben Entwürfe für einen dreiteiligen Lederaltar, der die Legende des St. Hubertus darstellen sollte.

Es sollte das größte Lederbild der Welt und das künstlerische Hauptwerk seines Lebens werden.

 

Da er wusste, dass er nicht mehr in der Lage sein würde dieses Werk zu vollenden, gab er dessen Vollendung als seinen letzten künstlerischen Wunsch an seinen Sohn weiter. Ein folgenschwerer, fast unerfüllbarer Wunsch bis zu dessen Erfüllung mehr als ein viertel Jahrhundert vergehen sollte.

 

Denn Hubert Weidinger stand damals am Beginn seiner eigenen künstlerischen Laufbahn und wurde in den kommenden Jahren zu einem der berühmtesten Tier- und Jagdmaler seiner Zeit.

Unzählige Ausstellungen im In- und Ausland ließen keine Zeit den letzten Willen des Vaters auszuführen.

 

Doch 1988 wurde ein Lederbild, dass von Hubert Weidinger 1970  in Wien gefertigt wurde, an einen deutschen Sammler um eine Million Schilling verkauft und erinnerten den Sohn nun erneut an den letzten Wunsch des Vaters.

Die Hubertus Legende - Lederbild von Hubert Weidinger - 1970 gefertigt

Also begann Hubert Weidinger im Sommer 1989 nach den wenigen Skizzen und Entwürfen seines Vaters das dreiteilige Lederbild in dessen Sinne zu entwerfen. Eine äußerst schwierige Aufgabe, denn einerseits mussten die alten Techniken des Vaters mit neuesten Erkenntnissen und Materialien weiterentwickelt werden, aber der Grundentwurf, die Bildsprache und künstlerische Auffassung musste ausnahmslos die des Johann Weidinger bleiben.

 

Hubert Weidinger musste sich ganz dieser Linie unterordnen und seine eigene Kreativität und künstlerische Auffassung dem Werk des Vaters zuliebe opfern.

 

Es folgten Jahre des Experimentierens und der Rückschläge, denn es stellten sich immer wieder Probleme der verschiedensten Art ein und machten jahrelange aufwendigste Arbeiten oft in letzter Minute zunichte.

 

Die Hauptfigur des Hubertus gelang erst im siebenten Anlauf und beim Begleitjäger war es nicht viel anders.

 

Jedes der über 500 Einzelteile aus dem das Altarbild besteht war ein Problem für sich und wurde oft mehrmals angefertigt bis sie endlich passten!

Die Armbrust des Hubertus - eines der 500 Einzelteile

Der Aufbau dieses einmaligen Werkes war schon eine äußerst schwierige und zeitraubende Angelegenheit und ging nur langsam voran, denn die notwendige Verwandlung des Künstlers zum Kunsthandwerker wurde für den äußerst aktiven Vollblutkünstler Hubert Weidinger immer schwieriger.

 

Im August 1995 wurde die Fertigstellung dieses „Lebenswerkes“ jäh unterbrochen als auf das Atelier von Hubert Weidinger ein bewaffneter Raubüberfall verübt wurde, bei dem der Künstler schwer verletzt, und viele Werke, darunter auch das Lederbild, schwer beschädigt wurden.

Gesundheitlich schwer angeschlagen musste sich der „Meister“ wie er von seinen Freunden genannt wurde aus dem aktiven Kunstgeschehen für die nächsten Jahre zurückziehen.

Die Arbeit an dem „Monsterbild“ war nun offenbar für immer eingestellt und nur ein glücklicher Zufall verhinderte die Entsorgung des schwer beschädigten „Bildertorsos“.

 

Es dauerte noch einmal fast 12 Jahre bis sich Hubert Weidinger auf Bitten seiner Tochter Daniela, die mittlerweile die Sammlungen und den künstlerischen Nachlass ihres Vaters übernommen hatte, erneut mit dem schwer beschädigten Werk beschäftigte und er wieder begann es im Sinne und Stil seines Vaters endlich in mühevoller Kleinarbeit zu restaurieren und dann endlich zu vollenden.

 

Im Sommer 2011 war es dann endlich soweit und das größte Lederbild, das Lebenswerk des Professor Johann Weidinger wurde von seinem Sohn trotz dessen gesundheitlicher Probleme vollendet.

 

Obwohl es in 22 Jahren von Hubert Weidinger alleine gefertigt wurde, ist es doch das geistige Lebenswerk des Lederbildhauer Professor Johann Weidinger. Es wurde in seinem Stil geschaffen, getreu seinem letzten Wunsch entsprechend mit dem von ihm erarbeiteten Wissen, das er seinem Sohn weitergegeben hat und dieser weiterentwickelt hat.

 

Direktor Hannes Huter und Hubert Weidinger bei der einmaligen Präsentation des "größten Lederbildes der Welt" im Casino Kitzbühel im Jänner 2013